15 Apr
2021

25 Jahre
Kupfermuckn

Wie eine Straßenzeitung ihre Leser*innen toleranter macht

Foto mit den Kupfermuckn-Redakteur*innen
Das Team der Kupfermuckn im Jahr 2019. Aktuell darf man sich nicht so nahe kommen, die unregelmäßigen Kontakte sind für viele ein Problem

Anlässlich des 25-Jahres-Jubiläums hat die Kupfermuckn die Leser*innen mit Unterstützung des renommierten market Instituts um ihre Meinung zur Straßenzeitung Kupfermuckn gebeten. Der unverfälschte Einblick in das Leben von Randgruppen und die Solidarität mit diesen bewegt die Bevölkerung zum Kupfermucknkauf.

Entstanden ist die Straßenzeitung aus mehreren Schreibwerkstätten der „Arge für Obdachlose“ und wurde in einer Auflage von 1.500 Stück erstmals im Oktober 1996 gratis verteilt. Parallel zur Kupfermuckn-Leser-Befragung hat das „market Institut“ im Februar auch eine österreichweite repräsentative Befragung (1.000 Personen) zur Einstellung der Österreicher*innen zu sozialen Randgruppen durchgeführt.

Top-Kaufmotiv: "Ich bekomme einen unverfälschten Einblick in das Leben von Randgruppen."

Warum wird die Kupfermuckn gekauft? Das Alleinstellungsmerkmal der Zeitung ist, dass überwiegend Betroffene zu Wort kommen. Das wird von 91 Prozent der Leser*innen als größtes Kaufargument gesehen. Diese besondere Stärke unterstreicht auch die hohe Zustimmung zur Aussage: "Ich bekomme einen unverfälschten Einblick in das Leben von Randgruppen", mit 82 Prozent. Sehr wichtig ist den Leser*innen auch, dass Obdachlose eine sinnvolle Beschäftigung haben, und dass man selbst bestimmen kann, wem das Geld zu Gute kommt (71 Prozent). Sie können beim Kauf auch sicher sein, dass mindestens die Hälfte des Verkaufspreises stets den Betroffenen gehört.

Ich finde es wichtig, dass die Betroffenen selbst zu Wort kommen

Die Frage nach den Zeitungsinhalten zeigte viele interessante Fakten auf. 82 Prozent der Leser*innen sind der Meinung, "die Kupfermuckn biete unabhängige, authentische Berichterstattung". Das ist – laut Aussage des market Instituts – ein Wert, über den sich auch andere Medien freuen würden. Die Glaubwürdigkeit der Kupfermuckn ist in den letzten zehn Jahren sogar noch um drei Prozent angestiegen. Bei der Frage, welche Inhalte gelesen werden, erfährt man, dass weibliche Leserinnen und Ältere die Kupfermuckn sehr detailliert lesen, während jüngere Leser eher dahin tendieren, selektiv zu lesen. Wie zu erwarten, werden Lebensgeschichten (83 Prozent) und Storys über die Verkäufer (79 Prozent) besonders gerne gelesen. Die höchste Zustimmung der Befragung hat mit 96 Prozent (Note 1 und 2) die Aussage, die Kupfermucknverkäufer seien »freundlich«. Dieser Wert ist in den letzten zehn Jahren um zwei Prozent angestiegen. Drei Viertel der Leser wechseln zumindest ab und zu ein paar Worte mit den Verkäufern.

Leser*innen der Kupfermuckn stehen Randgruppen deutlich aufgeschlossener gegenüber!

Ich habe Vorbehalte, lehne ab Österreicher*innen Leser*innen der Kupfermuckn
Quelle: market Institut 2021
Junge Obdachlose 43% 29%
Drogenabhängige 56% 42%
Flüchtlinge aus Afrika 51% 20%
Asylwerber*innen 57% 18%
Arbeitslose 23% 7%
Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen 11% 6%
Menschen mit Handicap 4% 0

Detailergebnisse Befragung

Download Zusammenfassung (2,8 MB)

25 Jahre

Wurden im Oktober 1996 erstmals 1.500 Zeitungen gratis auf der Straße verteilt, so steigerte sich die Auflage der Kupfermuckn letztes Jahr auf 30.000 Zeitungen im Monat. Rund 250 Menschen, die in Armut leben müssen, verkaufen diese auf den Straßen Oberösterreichs um 2 Euro. Die Hälfte des Preises, so die Regel des internationalen Straßenzeitungsnetzwerks (INSP International Network of Streetpapers), gehört den Verkäufern. „Durch die Pandemie gibt es zwar je nach Stimmungslage größere oder kleineren Rückgänge, aber auch das konnte die starke Lobby für sozial benachteiligte Menschen nicht erschüttern. In der siebenwöchigen Schließzeit im März/April 2020 konnten wir den Einkommensausfall der Verkäufer durch großzügige Spenden der Leser doch etwas mildern“, freut sich das Kupfermucknteam.

Mit Hilfe der nun um Vöcklabruck erweiterten Ausgabestellen in Linz, Wels und Steyr erreicht die Kupfermuckn ländliche Gebiete viel besser.

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