26 Mär
2019

Arbeitsmarktpolitik: Sozialministerium definiert neue Zielvorgaben

Kommentar von Josef Pürmayr, Sozialplattform OÖ

Im Vorwort der Sozialministerin zu den arbeitsmarktpolitischen Zielvorgaben für das AMS steht: „…möchte ich mit den vorliegenden arbeitsmarktpolitischen Zielvorgaben auch eine neue strategische Richtung einschlagen: nach Jahren der starken Fokussierung auf Förderung und Integration von Flüchtlingen, wird es in Zukunft wieder eine stärkere Ausrichtung auf Langzeitarbeitslose, ältere Menschen, Jugendliche und Frauen geben.“

Dazu ist festzuhalten, dass es keinen Fortschritt darstellt, wenn für die Integration von Flüchtlingen kein AMS-Budgetposten mehr zur Verfügung steht.

Gerade die asylberechtigten Flüchtlinge brauchen Unterstützung bei der Arbeitsmarktintegration. Hier kein Budget und keinen Schwerpunkt für Qualifizierung vorzusehen, ist falsch: Nachteilig für die Inklusion in unsere Gesellschaft und schädlich für die Entwicklung der österreichischen Wirtschaft.

Das Zielepapier bleibt zu vage bezüglich der Unterstützung von Langzeitarbeitslosen. Die angestrebte Reduzierung der überbetrieblichen Berufsausbildung (ÜBA) ist kritisch zu sehen. Auch wenn viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, kann die Lösung dieses Problems nicht in der Reduzierung der ÜBA liegen. Eine große Anzahl der Lehrstellen bleibt unbesetzt, weil viele der an einer Lehrausbildung interessierten Jugendlichen die Voraussetzungen für eine Lehrausbildung in der freien Wirtschaft nicht oder noch nicht erfüllen können. Für sie bietet die ÜBA in einem geschützteren Rahmen die ideale Variante, um dennoch zu einem Lehrabschluss zu kommen. Die bisher gültige Vorgabe, mindestens 50 % des Budgets für aktive Arbeitsmarktpolitik für Frauen aufzuwenden, ist in den neuen arbeitsmarktpolitischen Zielvorgaben der Ministerin nicht mehr enthalten. Das ist unverständlich, denn noch immer ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen deutlich hinter jener der Männer. Richtig wäre es, in der AMS-Beratung einen Fokus auf eine Vollzeitbeschäftigung von Frauen zu legen. Hier strebt die Sozialministerin einen anderen Weg an: Gemeinsam mit der Wirtschaft sollen zusätzliche Teilzeitstellen geschaffen werden.

Josef Pürmayr, Geschäftsführer Sozialplattform OÖ

 

Download: Broschüre Sozialministerium: Arbeitsmarktpolitische Zielvorgaben, Februar 2019

Zurück