07 Mär
2022

Arbeitsmarktreform
modern denken

Armut verhindern und neue Ansätze finden

Bild mit Lapzop-Grafik
Bild: rawpixel.com

Linz (OTS) – Trotz des positiven Trends auf dem oberösterreichischen Arbeitsmarkt und sinkender Zahlen an Arbeitssuchenden darf nicht vergessen werden, dass die Langzeitbeschäftigungslosigkeit nach wie vor sehr hoch ist. Rund 27% (9.070 Personen) der Arbeitssuchenden in OÖ zählen zu dieser Gruppe. Langzeitbeschäftigungslosigkeit verfestigt nachweislich Armut und soziale Ausgrenzung.

Anlässlich der Enquete zur Arbeitslosenversicherung Neu, zu der Arbeitsminister Kocher am 7. März Parlamentarier*innen, Sozialpartner*innen und Expert*innen in die Hofburg lädt, fordert die Sozialplattform OÖ die Politik auf, Auswirkungen auf Langzeitbeschäftigungslose in den Mittelpunkt zu rücken. Eine Arbeitsmarktreform darf nicht zu deren Nachteil werden.

Eine Abschaffung der Zuverdienstmöglichkeit während der Arbeitssuche trifft gerade Arbeitssuchende aus dem Niedriglohnsektor, deren Arbeitslosengeld gering ist. Dazu zählen besonders Frauen. Im Zusammenhang mit der Einführung eines degressiven Arbeitslosengeldes wird auch ein Aussetzen des Arbeitslosengeldes zu Beginn der Arbeitslosigkeit diskutiert. Die Sozialplattform Oberösterreich lehnt diese Pläne ab, denn Arbeitssuchende ohne Rücklagen würden dadurch noch rascher in die Armutsfalle gelangen.

Warum der Fokus in der Betrachtung von Arbeitslosigkeit ausschließlich bei den Erwerbslosen liegt, ist nicht schlüssig und gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel nicht zukunftsorientiert. Verschärfungen und Sanktionen für Arbeitssuchende führen kaum zu mehr Arbeitsmarktintegration, sondern auch die Rolle der Unternehmen muss in einer modernen Arbeitsmarktreform stärker betrachtet werden. In einer Studie* stellte das WIFO fest, dass 2017 nur 16 % der Betriebe Langzeitbeschäftigungslose eingestellt haben – trotz hohen Arbeitskräftebedarfs.

Viele Arbeitssuchende - insbesondere Langzeitbeschäftigungslose - benötigen die Unterstützung durch ein gut ausdifferenziertes und quantitativ ausreichendes Instrumentarium der aktiven Arbeitsmarktpolitik. „Es wird weiterhin das AMS-Instrumentarium mit den integrativen Angeboten wie Qualifizierung, Beratung, Arbeitstraining und befristeter Beschäftigung in sozialökonomischen Betrieben geben müssen. Das ist ein gut austariertes, bewährtes und sich ergänzendes System an Unterstützungsangeboten, das arbeitslosen Menschen weiterhilft“, meint Josef Pürmayr, GF der Sozialplattform OÖ.

* https://www.wifo.ac.at/publikationen/publikationssuche?detail-view=yes&publikation_id=66642

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