26 Jun
2017

AusBildung
bis 18

Infos von der neuen Koordinierungsstelle AusBildung bis 18

Grafik Struktur
Quelle: Ausbildung bis 18

Die österreichische Bundesregierung hat mit dem Beschluss des Ausbildungspflichtgesetzes (APflG, BGBl I Nr. 62/2016) im Sommer 2016 ein klares Signal gesetzt. Ziel der Initiative AusBildung bis 18 ist, dass möglichst alle Jugendlichen eine über den Pflichtschulabschluss hinausgehende Qualifikation erreichen. Johanna Mühleder, Anita Buchegger-Traxler - Koordinierungsstelle AusBildung bis 18

Österreich liegt mit 9 Jahren Pflichtschule international im unteren Bereich. Junge Menschen, die über keinen über die Pflichtschule hinausgehenden Abschluss verfügen, haben ein dreifach höheres Risiko später von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein. Gerade am Übergang von der Schule in den Beruf stehen manche Jugendliche vor großen Herausforderungen. Durch die AusBildung bis 18 wird garantiert, dass die Jugendlichen und deren Eltern entsprechende Unterstützung erhalten. Eine gute Bildung oder Ausbildung ist eine Voraussetzung, um die steigenden Kompetenz- und Qualifikationsanforderungen am Arbeitsmarkt meistern zu können.

Zielgruppe für AusBildung bis 18

Die Ausbildungspflicht besteht für alle Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Voraussetzung ist ein dauerhafter Aufenthalt in Österreich. Für jugendliche Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte gilt die Ausbildungspflicht ebenso. Die ersten Jugendlichen, die dieses Gesetz betrifft, sind jene die mit Ende des Schuljahres 2016/2017 die allgemeine Schulpflicht erfüllt haben. In erster Linie sind die Erziehungsberechtigten verantwortlich für die Bildung und Ausbildung ihrer Kinder. Um die Erziehungsberechtigten bzw. die Jugendlichen über die AusBildung bis 18 zu informieren und zu sensibilisieren wird bundesweit eine umfassende Informationskampagne im Sommer 2017 stattfinden. Auf regionaler Ebene sind zusätzliche Aktivitäten (Information bei regionalen Lehrlingsmessen, Messe Jugend und Beruf, Teilnahme an Veranstaltungen…) geplant.

Meldesystem/Abläufe zu AusBildung bis 18

Für die Umsetzung der Initiative AusBildung bis 18 ist es notwendig, die Jugendlichen zu erfassen. Dazu wurden Meldeverpflichtungen geschaffen und ein umfassendes Monitoring-System entwickelt. Die Meldepflicht tritt am 1. Juli 2017 in Kraft. Zur Meldung verpflichtet sind (siehe Abbildung auf Seite 13) neben den Erziehungsberechtigten, die direkt mit der Koordinierungsstelle Kontakt aufnehmen können, Schulen, Lehrlingsstellen der WKO, Arbeitsmarktservice, Sozialministeriumsservice und andere (nicht vom AMS oder SMS beauftragte) Träger von Ausbildungsmaßnahmen. Diese melden direkt an die Statistik Austria. Dort werden die Daten anonymisiert abgeglichen und die Daten jener Jugendlichen, die vier Monate ohne Ausbildung sind, an die Koordinierungsstelle zur Begleitung der AusBildung bis 18 weitergeleitet.

Die Koordinierungsstelle kontaktiert bzw. informiert die Jugendlichen und Erziehungsberechtigten zunächst schriftlich. Wenn diese Schreiben unbeantwortet bleiben, erfolgt im weiteren Verlauf die Kontaktaufnahme in Kooperation mit dem Jugendcoaching AusBildung bis 18 (Jugendcoaching Stufe 0). Dieses neu geschaffene und dem bisherigen Jugendcoaching vorgeschaltete Coaching hat die Aufgabe, die Jugendlichen und deren Familien zu kontaktieren (schriftlich, telefonisch und auf Wunsch aufsuchend), zu informieren und die nächsten Schritte der Jugendlichen auf dem Weg zur Erfüllung der Ausbildungspflicht zu begleiten.

Die Jugendlichen bekommen Unterstützung vonseiten des Jugendcoachings bzw. der AMS-Beraterinnen. Im individuell zu erstellenden Perspektiven- und Betreuungsplan wird auf die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen eingegangen und die nächsten Schritte zur Erfüllung der Ausbildungspflicht werden festgelegt.

Koordinierungsstelle AusBildung bis 18

In jedem Bundesland gibt es eine Koordinierungsstelle AusBildung bis 18 (KOST), die das Sozialministeriumservice (SMS) bei der Umsetzung der Ausbildungspflicht unterstützt. In Oberösterreich wurde dazu das IAB Institut für Ausbildungs- & Beschäftigungsberatung beauftragt. Die Koordinierungsstelle AusBildung bis 18 ist Informationsdrehscheibe und Anlaufstelle für sämtliche AkteurInnen rund um die Ausbildungspflicht.

Darüber hinaus ist sie im Rahmen der AusBildung bis 18 zuständig für

  • die Administration, d.h. Meldungsannahme, Kontaktaufnahme, Monitoring etc.,
  • Schnittstellenmanagement, d.h. Organisation und Moderation von Steuerungs- und Vernetzungstreffen in Oberösterreich,
  • Öffentlichkeitsarbeit in Abstimmung mit dem Sozialministeriumservice,
  • Erstellen von Berichten, Datenanalysen.

Herausforderungen bei der Umsetzung der AusBildung bis 18 werden sein, die AdressatInnen über den Nutzen und die Ziele zu informieren, den Austausch zwischen den AkteurInnen zur erfolgreichen Umsetzung zu gewährleisten, Transparenz über die bestehenden Angebote herzustellen und den Bedarf für neue Angebote aufzuzeigen. Notwendige Abstimmungsprozesse werden von der Koordinierungsstelle begleitet und moderiert.

Erfüllung der Ausbildungspflicht
Ziel der Ausbildungspflicht ist der Erwerb einer formalen Qualifikation, darunter fallen:

  • Besuch einer weiterführenden Schule (z.B. Allgemeinbildende Schule, Berufsbildende mittlere oder höhere Schule, Schule für Land- und Forstwirtschaft,…)
  • Lehre, überbetriebliche Lehrausbildung, verlängerte Lehre, Teilqualifizierung
  • Ausbildung nach gesundheitsrechtlichen Vorschriften (z.B. Gesundheits- und Krankenpflegeschule, Pflegehilfelehrgang, zahnärztliche Assistenz, Heilmasseur.in, …)

Außerdem wird die Ausbildungspflicht (zumindest befristet) erfüllt durch

  • Kurse, die auf eine schulische oder berufliche Ausbildung vorbereiten z.B. Deutschkurse
  • die Teilnahme einer vorbereitenden Maßnahmen (insbes. AMS- und SMS-finanzierte Angebote) oder durch
  • eine zulässige Beschäftigung in Verbindung mit dem Perspektiven- und Betreuungsplan

Die Ausbildungspflicht kann auch vor dem 18. Lebensjahr enden - durch den Abschluss
einer mindestens zweijährigen berufsbildenden Schule
einer Lehrausbildung nach dem Berufsausbildungsgesetz (BAG) oder nach dem Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsausbildungsgesetz (LFBAG)
einer gesundheitsberuflichen Ausbildung von mindestens 2.500 Stunden nach gesundheitsrechtlichen Vorschriften
einer Teilqualifizierung gem. § 8b Abs. 2 (auch in Verbindung mit § 8c) BAG oder gem. § 11b LFBAG
der Sekundarstufe II vor Vollendung des 18. Lebensjahres, wenn aufgrund außergewöhnlicher Leistungen und Begabungen eine Schulstufe übersprungen wurde.

Was ist mit „Pflicht“ gemeint?
Das allerletzte Mittel bei Verletzung der Ausbildungs-
pflicht ist eine Verwaltungsstrafe für die Erziehungsberechtigten, wenn jede Kontaktaufnahme und Kooperation verweigert wird. Die Bestimmungen zu den Sanktionen treten mit 1.7.2018 in Kraft.


Infos

Serviceline 0800-700 118, www.ausbildungbis18.at

Koordinierungsstelle AusBildung bis 18
4020 Linz, Wiener Straße 7-9
0732-922 287, ausbildungbis18@kost-ooe.at
www.kost-oberoesterreich.at
Die AusBildung bis 18 ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung.

Diese und andere Beiträge wurden im Rundbrief Juli/August 2017 veröffentlicht (jetzt Rundbrief abonnieren)

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