12 Nov
2018

CONNECT - Karrieremesse
Sozialwirtschaft

Sozialbranche ist Zukunftsbranche

Bei der Pressekonferenz wurden Programm, Messekatalog und Hintergrundinformationen zur Sozialwirtschaft in Oberösterreich präsentiert.

Der Sozialbereich ist ein sicherer Arbeitgeber, vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Krisen,

ist Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer überzeugt. Der Sozialbereich hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung für die Beschäftigung in Oberösterreich gewonnen. Im Rahmen des Beschäftigungs- und Qualifizierungspaktes, im Bereich der Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen, in der Altenpflege und –betreuung sowie in der Kinder- und Jugendhilfe leistet das Sozialressort des Landes einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung in OÖ.

Die sozialwirtschaftlichen Unternehmen und Einrichtungen sind wichtige Arbeitgeber/innen. In Oberösterreich beschäftigt der Sektor ca. 20.000 Menschen in vollversicherten Jobs. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind deutlich mehr Frauen als Männer beschäftigt. Das Verhältnis liegt bei drei Viertel zu einem Viertel. Aufgrund der Ausbildungswege sind unter 20-Jährige in der Branche unterrepräsentiert, es sind viele ältere Personen beschäftigt. Sozial- und Gesundheitsberufe sind Berufe mit guten Zukunftschancen, oftmals attraktiv für Um- und Wiedereinsteiger/innen und oft regional verfügbar. Die Digitalisierung verändert die Sozialwirtschaft zwar, dennoch wird die menschliche Arbeitskraft auch in Zukunft die Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen prägen (Quelle: AMS)

„Die Sozialbranche ist eine Zukunftsbranche“,

das steht für Mag.a Dorothea Dorfbauer, Vorstandsvorsitzende der Sozialplattform OÖ und Geschäftsführerin im Verein Saum fest. Damit ihre Dienstleistungen für die Menschen nachhaltig wirken können, benötigt die Sozialbranche Qualität, Flexibilität, Innovationskraft, gute Rahmenbedingungen, sichere Finanzierung, politischen Rückhalt, Selbstbewusstsein, Vernetzung und DIE BESTEN MITARBEITER/INNEN.

Aus diesem Grund veranstaltet die Sozialplattform OÖ in Kooperation mit IV Sozialunter-nehmen und der Fachhochschule OÖ – Campus Linz erstmals in Oberösterreich CONNECT, die Karrieremesse Sozialwirtschaft. Die Besucher/innen erhalten einen Überblick über Arbeitsfelder, Arbeitgeber/innen und Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in ganz Oberösterreich:

  • 40 soziale Unternehmen und Einrichtungen,
    • die Jobs, Praktika, Zivildienstplätze und Freiwilliges Soziales Jahr bieten
    • von Altenbetreuung bis Wohnungslosenhilfe
    • aus allen oö. Bezirken
  • 12 Bildungseinrichtungen für soziale Berufe– von schulischer bis akademischer Ausbildung, Weiterbildungsmöglichkeiten von Altenbetreuung bis Management
  • Abwechslungsreiches Rahmenprogramm
  • Bildungsberatung
  • Bewerbungs-Check

Zeitgleich zur Messe findet auch die Fachtagung "Personalmanagement in der Sozialwirtschaft“ statt, die wichtige Fragen im Recruitment beantwortet.

Land OÖ

„Sozialberufe zählen zu den sinnvollsten und schönsten Berufen, die man sich vorstellen kann“,

meint MMag. Gernot Koren MAS, Sprecher der IV Sozialunternehmen und Geschäftsführer von pro mente OÖ. Die Arbeit im psychosozialen Bereich und im Behindertenbereich ist einzigartig und sinnstiftend: Denn es steht der Mensch im Mittelpunkt. Die soziale Dienstleistung ist von Freude und Empathie mit und für Menschen geprägt. Neben diversen Betreuungsaufgaben bietet die Sozialwirtschaft auch verschiedenste sehr interessante Tätigkeitsfelder im administrativ-organisatorischen und Managementbereich. Gut ausgebildetes bzw. geschultes Personal ist das Herz jeder sozialen qualitativ hochwertigen Dienstleistung. Neben den fachlichen Kompetenzen ist gerade in diesem Arbeitsfeld die passende persönliche Eignung unabdingbar.

Das sieht auch Prof. Dr. Markus Lehner, Fachhochschule Oberösterreich, so: „Wer beruflich im Sozialbereich tätig ist, hat mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu tun. Dies erfordert nicht nur persönliche Sensibilität, sondern auch fachliches Wissen über diese Situationen. Fachkräfte im Sozialbereich brauchen die Kompetenz, die Situation analysieren und beurteilen zu können. Sie müssen die aktuellen Methoden kennen, wie man diese Menschen beraten und unterstützen kann. Die Ausbildungsstätten haben die Aufgabe, künftige Fachkräfte sowohl bei der Entwicklung ihrer sozialen und persönlichen Kompetenz zu unterstützen, als auch sie auf fachlicher Ebene auf den aktuellen Stand des Wissens zu bringen.“

Viele Sozialberufe sind auch ohne Matura zugänglich.

Dazu zählen die Fach-Sozialbetreuung bzw. Diplom-Sozialbetreuung in den Bereichen Altenarbeit, Behinderten-arbeit, Behindertenbegleitung und Familienarbeit oder die Heimhilfe. Im Oö. Sozialberufe-gesetz sind zudem die Berufsbilder Sozialpädagogische Fachbetreuung in der Jugend-wohlfahrt sowie Persönliche Assistenz, Frühförderung, Sehfrühförderung und Peer-Beratung geregelt. Die zumeist dreijährigen Ausbildungen sind praxisorientiert aufgebaut, sodass man schon sehr bald die eigenen Stärken und Schwächen für eine berufliche Zukunft in diesem Arbeitsfeld erkennen kann.
Seit 2001 gibt es in Oberösterreich auch Ausbildungen auf akademischem Niveau, die eine Studienberechtigung voraussetzen. Dies war zunächst das Studium Soziale Arbeit an der FH Oberösterreich, das die frühere Sozialakademie ersetzte, und das primär auf den Kontakt mit Klient/innen vorbereiten will. Mit der Akademisierung der Ausbildung von Sozialarbeiter/innen sollte verstärkt auf eine wissenschaftliche Fundierung dieses Sozialberufs Wert gelegt werden.
Das seit 2002 angebotene Studium Sozialmanagement an der FH Oberösterreich richtet sich dagegen an Personen, die stärker an den organisatorischen und wirtschaftlichen Aufgabenstellungen in der Sozialbranche interessiert sind. Dieses Studium verbindet Fachwissen für den Sozialbereich mit Managementkompetenzen.

Es ist insgesamt ein Kennzeichen von Ausbildungen für Sozialberufe, dass sie interdisziplinär aufgebaut sind.

Neben Humanwissenschaften wie Psychologie oder Pädagogik spielen Sozialwissenschaften wie Soziologie und Politikwissenschaft eine Rolle, aber auch rechtliche Aspekte sind relevant für die Berufstätigkeit im Sozialbereich.

„Die Sozialberufe werden immer mehr an Bedeutung gewinnen“,

ist auch Gernot Koren überzeugt. Daher bieten die Sozialunternehmen seit jeher eine gute Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben und sehr gute Arbeitsbedingungen. Berufsbegleitende Schulung und Weiterbildung sind uns ebenso wichtig wie die Sicherheit von Arbeitsplätzen. Und doch steht die Sozialwirtschaft vor großen Herausforderungen, denn die Budgets werden laufend gekürzt und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Kürzungen gehen direkt zu Lasten der betreuten und begleiteten Menschen.
Trotzdem, oder gerade deswegen: Die CONNECT ist eine ausgezeichnete Plattform, Sozialberufe zu bewerben, die Vielfalt und Besonderheit der Sozialberufe hervorzuheben und Kontakte zwischen Organisationen und Interessent/innen herzustellen.

„Der Wandel der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zwingt die Sozialbranche zu ständiger Innovation“,

merkt Markus Lehner an. Es entstehen neue Problemlagen, die neue methodische, fachliche und organisatorische Antworten erfordern. Dies bedeutet aber auch, dass die Fachkräfte gefordert sind, sich selbst und die eigenen beruflichen Kompetenzen ständig weiterzuentwickeln. Es ist zentrale Aufgabe der Personalentwicklung in den sozialwirtschaftlichen Unternehmen, dies zu ermöglichen. Und es ist Sache der Politik, die dafür notwendigen finanziellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

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