02 Mai
2022

Der ESF+ in der neuen
Förderperiode

von Stefanie Niemann, ESF-Verwaltungsbehörde Ministerium für Arbeit

Bild in einer Werkstätte
Bild: Fabian Weiss

Der Europäische Sozialfonds ist seit 1957 das wichtigste Finanzinstrument der Europäischen Union für Sozialpolitik und Investitionen in Menschen. Doch wie sieht die Umsetzung des Fonds auf nationaler Ebene aus? Wie erfolgt die Beantragung der ESF-Fördermittel? Was sind die Neuerungen der Förderperiode ESF+ 2021-2027?

Stefanie Niemann, ESF-Verwaltungsbehörde Ministerium für Arbeit

Der Europäische Sozialfonds arbeitet seit mehr als 60 Jahren für Beschäftigung, aktive Arbeitsmarktpolitik und den Kampf gegen Diskriminierung jeglicher Art auf dem Arbeitsmarkt.
Der Idee der Schaffung einer gerechten und sozial inklusiven Gesellschaft, dem Engagement für Chancengleichheit, faire Arbeitsbedingungen, hohes Beschäftigungsniveau und einem besseren Arbeitsmarktzugang ist der ESF treu und fördert daher Maßnahmen, die:

  • einer verbesserten Funktionsweise des Arbeitsmarktes
  • der Vermeidung und Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und
  • der Erweiterung des Ausbildungsangebots dienen.

Prinzip der Ko-finanzierung

Ein zentrales Prinzip ist die Ko-finanzierung. Das heißt, dass zu den ESF-Mitteln ca. die Hälfte an nationalen Mitteln hinzukommen. So standen für den auslaufenden Förderzeitraum 2014 – 2020 insgesamt 875.739.295 € für Maßnahmen zur Verfügung.

ESF-Förderantragstellung und Genehmigung

Die Verantwortung für die Umsetzung des Europäischen Sozialfonds liegt bei der ESF-Verwaltungsbehörde.
Die Verwaltungsbehörde delegiert aber Aufgaben an sog. Zwischengeschaltete Stellen (abgekürzt ZWIST). Das sind in Österreich die Bundesländer, das Sozialministerium und das Bildungsministerium.
Genau diese fordern potenzielle Projektträger auf, Förderanträge mit aussagekräftigen Projektkonzepten einzureichen. Dazu werden „Calls“ veröffentlicht. Die Calls mit Informationen zu Schwerpunkt, Zielgruppen, Projektzeitraum, Budget, etc. werden auf der esf.at Webseite veröffentlicht.
Die eingereichten Projektkonzepte werden nach den im „Call“ definierten Kriterien bewertet. Ist der Projektantrag erfolgreich, kann der Fördervertrag mit allen Rechten und Pflichten abgeschlossen werden.

Neue Förderperiode ESF+ 2021-2027

Das politische Ziel der Programmperiode 2021 – 2027 ist: „Ein sozialeres und inklusiveres Europa durch die Umsetzung der europäischen Säule sozialer Rechte.“

Auf folgende Prioritäten legt die Förderperiode 2021-2027 daher den Fokus:

  • Gleichstellung von Frauen und Männern – inkl. innovativer Kinderbetreuungsangebote
  • Aktives Altern – inkl. Themen der Digitalisierung
  • Aktive Inklusion – Verbesserung der beruflichen Teilhabe
  • Unterstützung für Jugendliche an Schulen und am Übergang Schule-Ausbildung-Beruf
  • Zugang zu lebenslangem Lernen – inkl. Digitalkompetenzen
  • Soziale Innovation
  • JTF (Just Transition Fund) in bestimmten Regionen

Darüber hinaus werden die Themen ökologische Nachhaltigkeit, Nichtdiskriminierung sowie Gleichstellung von Frauen und Männern als Querschnittziele in jeder Programm- und Projektphase berücksichtigt.

Neu im Programm sind die Prioritäten „Soziale Innovation“ und „JTF“.

„Soziale Innovation“ hat das Ziel, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, partizipative Prozesse einzuleiten und den Wissensaustausch zu forcieren. In Österreich wurde das Kompetenzzentrums für Soziale Innovation (Soziale Innovation Plus) beauftragt die Umsetzung zu begleiten.

Der „Just Transition Fund (JTF) – Fonds für einen gerechten Übergang“ soll die Ökologisierung der Wirtschaft voranbringen und Regionen und Menschen in die Lage versetzen, die sozialen, beschäftigungsspezifischen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Übergangs zur klimaneutralen Wirtschaft zu bewältigen.

Aktuelles

Transparenz und Partnerschaft sind der ESF-Verwaltungsbehörde ein großes Anliegen, so wurde der Programmentwurf in Zusammenarbeit mit Expert*Innen der Bundes- und Länderebene, mit fachlichen Expert*innen und unter Einbindung aller relevanten Stakeholder erarbeitet und veröffentlicht.
Aktuell ist der Programmentwurf in Abstimmung mit der Europäischen Kommission. Ein gemeinsames Bestreben ist es, die Programmgenehmigung zügig voranzubringen und für alle Beteiligten das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Nach Genehmigung des ESF+ Programms durch die Europäische Kommission, wird es auf unserer Homepage veröffentlicht und die Calls der Zwischengeschalteten Stellen können gestartet werden.
Wir freuen uns jedenfalls, wenn es – wie in der Programmperiode 2014 – 2020 – zahlreiche Bewerbungen auf die ESF –Calls gibt und erfolgreiche und innovative Projekte zur Unterstützung der Menschen umgesetzt werden.

Weitere Informationen

www.esf.at
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Imagevideo des ESF

Dieser Artikel ist im Rundbrief 3/22 erschienen. Diese Ausgabe steht im Zeichen der Europäischen Union. Aktuelle Entwicklungen machen einmal mehr deutlich, wie wichtig die Diskussion rund um die Rolle der EU ist. Egal wie man zum Einigungsprojekt steht, die Entscheidungen, die auf europäischer Ebene getroffen werden, haben großen Einfluss auf uns alle. Auch auf den Sozialbereich, die Sozialwirtschaft und vor allem die Menschen in Europa.

Daher möchten wir im aktuellen und folgenden Rundbrief wichtige sozialpolitische Fragestellungen und Themen aufgreifen. Judith Vorbach schreibt in ihrem Artikel über die aktuellen Chancen und Hindernisse, um die soziale Dimension der EU angemessen auszubauen. Wir hatten Gelegenheit mit der neuen Vize-Präsidentin des EU-Parlaments Evelyn Regner zu sprechen. Außerdem widmen sich die Expertinnen Brigitta Zierer und Stefanie Niemann der neuen EU-Förderperiode.

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