06 Apr
2021

Gesundheit muss
man sich leisten können

Armutsnetzwerk OÖ zum Weltgesundheitstag

Bild: rawpixel.com

Befindet sich ein Mensch in schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Lebensumständen, hat das über sein ganzes Leben hindurch Auswirkungen auf seinen Gesundheitszustand.1 Armutsbetroffene Menschen haben eine niedrigere Lebenserwartung und sind überdurchschnittlich oft von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen. Menschen mit niedrigerem Einkommen weisen häufiger chronische Krankheiten auf, wie beispielsweise Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Arthrose, Migräne, chronischen Angstzustände und Depressionen als jene mit höherem Einkommen.

Wie wichtig unsere Gesundheitsversorgung – im Spitals- wie im niedergelassenen Bereich – ist, führt die COVID-19-Krise klar vor Augen. Doch bereits vor der Pandemie haben sich Bruchlinien gezeigt, beispielsweise im leistbaren Zugang zu Fachärzt*innen oder Therapien.

Gesundheit ist eindeutig ein soziales Thema. Wer in unseren Sozialstaat investiert, wer Armut bekämpft, verhindert Brüche, nicht nur in der Biografie der Betroffenen, sondern im gesamten gesellschaftlichen Gefüge.2

Die neue Sozialhilfe, die in Oberösterreich und anderen Bundesländern bereits umgesetzt ist, verschlechtert die Situation von armutsbetroffenen Menschen im Vergleich zur früheren Mindestsicherung. Niedrigere Richtsätze für Kinder oder auch die Anrechnung der Wohnbeihilfe führen dazu, dass Menschen in sozialen Krisen jetzt in der Pandemie um mehrere hundert Euro monatlich weniger Hilfe haben. Erst unlängst wurde bekannt, dass die Anzahl der Sozialhilfe-Beziehenden in Oberösterreich um 13,1% zurückgegangen ist3. Für die oö. Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer ist das ein Indiz für die mangelnde Treffsicherheit der Sozialhilfe. In der Sozialreferent*innen-Konferenz der Bundesländer wurde deshalb eine bundesweite Evaluierung beschlossen. Das Armutsnetzwerk OÖ begrüßt diese Überprüfung ausdrücklich.

Die zentrale Forderung der WHO lautet anlässlich des Weltgesundheitstags am 7. April4: „Gesundheit für alle: denn niemand ist sicher, bevor wir nicht alle sicher sind“. Auch die regionalen Armutsnetzwerke in ganz Österreich und die bundesweit tätige Armutskonferenz machen darauf aufmerksam.

  • Soziale Menschenrechte als Verfassungsrechte anerkennen (siehe Entwurf Armutskonferenz „Bundesverfassungsgesetz soziale Sicherheit“5)
  • Abbau bürokratischer Hürden (Antragstellung vereinfachen, Antragstellung unabhängig von der Verfügbarkeit digitaler Medien und „Know-How“ des/ der Betroffenen ermöglichen)
  • Versorgungslücken schließen (unter anderem: medizinische Versorgung für alle Menschen sicherstellen)
  • Existenzsichernde Richtsätze bei Sozialhilfe und Arbeitslosengeld: Sowohl die Höhe der Sozialhilfe als auch die Richtsätze beim Arbeitslosengeld müssen sich an den tatsächlichen Kosten des täglichen Lebens ausrichten. Durch eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes kann schon eine Stufe vor dem letzten sozialen Netz das finanzielle Auskommen gesichert werden und ein Abrutschen in die Armut verhindert werden.

Damit einzelne Menschen oder Gruppen nicht ausgegrenzt werden, müssen soziale Rechte für alle gewährleistet sein. Denn jeder Mensch hat ein Recht auf den gleichen Zugang zu Bildung, leistbarem Wohnen und Gesundheit.

1: Gesundheitswissenschaften dokument, 40 Armut und Gesundheit, Bettina Ottendörfer, Linz 2013
2: Studien: Bericht zur 1. Welle Covid 19, Mental Health: https://bit.ly/3wz26vp
Armutsbetroffene und die Corona Krise:
https://www.sozialministerium.at/Services/News-und-Events/Archiv-2020/Dezember-2020/Armutsbetroffene-und-die-Corona-Krise.html
3: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/251863.htm
4: „Building a fairer, healthier world“: https://www.who.int/campaigns/world-health-day/2021
5: https://bit.ly/3ul2ED0

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