14 Jul
2022

Gewaltschutz-
zentrum OÖ

Betretungs- und Annäherungsverbote gestiegen

Im Jahr 2021 betreute das Gewaltschutzzentrum OÖ 2.972 Klient*innen. Davon wurden 2.135 Klient*innen durch die Exekutive aufgrund eines Betretungs- und Annäherungsverbotes überwiesen.

Im 1. Halbjahr 2022 kam es sowohl bei den Betretungs- und Annäherungsverboten, als auch bei der Klient*innenanzahl zu einer massiven Steigerung. Es wurden 1.184 Betretungs- und Annäherungsverboten ausgesprochen, im 1. Halbjahr 2021 waren es 980, die Gesamtzahl der Klient*innen betrug 1.825 im Vergleich zu 1.538 im 1. Halbjahr 2021. Diese massive Steigerung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Die Coronapandemie und der Krieg in der Ukraine verunsichert sehr viele Menschen, was bei einem Teil zu einer erhöhten Aggressivität und Gewaltbereitschaft führt. Als Folge der Pandemie arbeiten wieder viel mehr Frauen in Teilzeit oder haben ihren Arbeitsplatz aufgegeben, da die Kinderbetreuung wieder auf sie zurückgefallen ist. Große Einkommensunterschiede führen zu einem Machtungleichgewicht in einer Beziehung, das ist wiederum eine Faktor der Gewalt an Frauen begünstigt. Andererseits holen sich mehr Betroffene Hilfe, da häusliche Gewalt nicht mehr ein so großes Tabuthema ist. Der Umstand, dass es seit kurzem auf jeder Polizeidienststelle eine*n Präventionsbeamt*in gibt, der/die besonders auf häusliche Gewalt geschult ist, wirkt sich ebenso positiv aus.

Nach einem Betretungs- und Annäherungsverbot müssen Gefährder*innen nun eine verpflichtende Beratung (Rundbrief 1/2022) im Ausmaß von sechs Stunden in Anspruch nehmen. Aufgrund einer bereits langjährigen Kooperation mit NEUSTART im Rahmen der opferschutzorientierten Täterarbeit funktioniert die Zusammenarbeit auch im neuen Setting sehr gut. Ziel ist es, durch den Austausch das Risiko für die Opfer besser einschätzen zu können und somit den Opferschutz zu verbessern. Problematisch ist jedoch, dass die Beratungsstelle für Gewaltprävention für die Kooperation die Zustimmung des/der Gefährder*in benötigt. Aus der Erfahrung weiß man beim Gewaltschutzzentrum OÖ, dass gerade besonders gefährliche Täter*innen diese nicht geben, weshalb es hier im Sinne des Opferschutzes dringend einer Änderung bedarf.

Mit 2021 wurden die sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen bei Hochrisikofällen eingeführt. Als Hochrisikofall gilt ein Fall dann, wenn die Gefahr eines Tötungsdelikts oder
schwerster Gewalt vorliegt. Im 1. Halbjahr 2022 haben in Oberösterreich 17 sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen stattgefunden. In 16 Fällen hat das Gewaltschutzzentrum OÖ teilgenommen. „Die sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen sind deshalb so wichtig, weil erst durch die Zusammenschau, dh wenn alle relevanten Tatsachen zusammengetragen werden, die Gefährdung für ein Opfer genauer eingeschätzt werden kann. In Hochrisikofällen ist es essenziell, dass jede Einrichtung oder Behörde am aktuellen Stand ist und koordiniert vorgegangen wird. Ebenso gibt es unterschiedliche Ansätze, wie das betroffene Opfer ganz gezielt in der jeweiligen Situation noch besser geschützt werden kann, z.B.: individuelle sicherheitstechnische Maßnahmen in der Wohnung,“ erklärt Eva Schuh, Leiterin des Gewaltschutzzentrums OÖ.

Eva Schuh

Detailinformationen

Das Gewaltschutzzentrum OÖ berät und unterstützt Personen die in der Familie/im sozialen Umfeld von Gewalt betroffen sind, sowie Stalkingopfer. Es bietet Hilfestellung zur Erhöhung
der Sicherheit, informiert bei Betretungs- und Annäherungsverboten, einstweiligen Verfügungen und bietet Prozessbegleitung in Straf- und Zivilverfahren an.
0732-60 77 60, ooe@gewaltschutzzentrum.at

Hilfe bei Gewalt

  • Frauenhelpline: 0800 222 555
  • Opfer-Notruf: 0800 112 112
  • Polizei: 133
  • Stiller Notruf (Der Stille Notruf in Österreich ist eine Ergänzung zum barrierefreien und textbasierten DEC112 Notruf. Mit ihm kann man nahezu unbemerkt Hilfe rufen.)

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