14 Okt
2021

Lasst uns
Motorsägen kaufen

Über Rahmenbedingungen in der Sozialwirtschaft

Auf diesem Bild sieht man Personen, die die Messe besuchen.
Bild: Florian Konflozius Holter

Die Connect ist ein zentrales Projekt der Sozialplattform OÖ und sie ist uns sehr wichtig. Der geplante jährliche Veranstaltungsrhythmus wurde durch COVID verhindert, unsere Karrieremesse Sozialwirtschaft musste im Jahr 2020 abgesagt werden. Umso erfreulicher ist, dass sie heuer wieder stattfinden wird. Sie ist für viele gemeinnützige Unternehmen der oö. Sozialwirtschaft mittlerweile ein wesentlicher Baustein im Bereich ihrer Personalakquise. Für Menschen, die sich für Berufstätigkeit bzw. Ausbildung im Feld der Sozialberufe interessieren ist sie eine sehr gute Möglichkeit, sich über Ausbildungseinrichtungen, Ausbildungscurricula, die ausstellenden Sozialen Unternehmen und konkrete Jobs zu informieren. Und nicht zuletzt ist die Connect auch eine Art Leistungsschau der Oö. Sozialwirtschaft.

Hohe Qualitätsstandards

Nicht nur im Bereich der Pflegedienstleistungen, auch im übrigen Bereich der Sozialwirtschaft müssen Arbeitgeber*innen ihre Bemühungen verstärken, gut qualifiziertes Personal zu finden und dieses in ihren Unternehmen zu halten. Das braucht es, um die mit den Fördergebern vereinbarten hohen Qualitätsstandards bei der Leistungserbringung auch umsetzen und das vereinbarte Leistungsausmaß erbringen zu können. Hohe Qualitätsstandards sind wesentlich für das soziale Sicherungsnetz, daran soll nicht gerüttelt werden. Es muss sichergestellt werden, dass die sozialen Unternehmen auch künftig diese hohe Qualität gewährleisten zu können. Dazu braucht es die entsprechenden Rahmenbedingungen.

Arbeitsbedingungen

Arbeitgeber*innen in der Sozialwirtschaft sind bemüht, in ihrem Gestaltungsbereich vorteilhafte Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sie sind um Flexibilität bei Arbeitszeiten bemüht, sie ermöglichen Sabbaticals, Bildungskarenzen und Altersteilzeit in höherem Ausmaß, als dies in anderen Branchen der Fall ist. Sie stoßen an ihre Grenzen dort, wo sie über dem Kollektivvertrag entlohnen möchten. Bisher sind die Mindestgehälter laut Kollektivvertag gleichzeitig das Maximale, das die Fördergeber bei den Abrechnungen akzeptieren. Das sollte verändert werden. Die sozialen Organisationen werden im Wettbewerb um die „Young und/oder High Potentials“ weiterhin erfolgreich sein, wenn sie neben den oben angeführten vorteilhaften Rahmenbedingungen in Zukunft auch höhere Gehälter zahlen können. Sicher, Steuergeld ist sparsam einzusetzen. Die Aufwandsminimierung als Prämisse ist aber zu kurz gegriffen. Es geht den sozialen Organisationen und den Auftraggeber*innen ihrer Dienstleistungen darum, mit ihren Aktivitäten die größtmögliche Wirksamkeit zu erzielen. Das ist gut für die Nutzer*innen der Leistungen und im Sinne einer funktionierenden Gesellschaft vorteilhaft. Die sozialen Organisationen brauchen dafür die entsprechende finanzielle und personelle Ausstattung.

Arbeitszeitverkürzung

Ein Gradmesser dafür, ob es in diese Richtung auch tatsächlich geht, wird die Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung in der Branche der Sozialwirtschaft sein. Diese wurde von den Verhandlungsteams der Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen im SWÖ-Kollektivvertrag fixiert und ist mit 01.01.2022 verpflichtend umzusetzen. Die wöchentliche Normalarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte wird um eine Stunde auf 37 Wochenstunden reduziert. Es besteht Konsens zwischen SWÖ und den Gewerkschaften, dass es zu keiner Arbeitsverdichtung kommen soll. Es ist somit erforderlich, dass die wegfallende Arbeitsstunde bei anderen Mitarbeiter*innen aufgestockt werden kann. Das sollte selbstverständlich sein, ist aber an die Zustimmung der Fördergeber*innen gebunden.
Nehmen wir an, das Ziel ist, möglichst viele Bäume zu fällen. Bäume fällen kann man mit einer Motorsäge oder mit einer Handsäge. Es ist klar, dass man mit der Motorsäge viel mehr Bäume fällen kann als mit der Handsäge, sie verbraucht allerdings Benzin. Wenn man ausschließlich die Benzinkosten betrachtet, ist die Handsäge effizienter. Die Motorsäge ist aber um ein Vielfaches wirkungsvoller. Also: lasst uns Motorsägen kaufen!

Josef Pürmayr
Sozialplattform OÖ

Dieser Beitrag

ist im Rundbrief November/Dezember 2021 erschienen.

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