11 Sep
2017

Mindestlohn:
der Hausverstand hat recht

Leserbrief von Josef Pürmayr

Die neue WIFO-Studie bestätigt, was der Hausverstand sagt.

Ein Mindestlohn von € 1.500 brutto monatlich würde die Volkswirtschaft per Saldo nicht belasten: Denn die damit verbundenen Einkommenssteigerungen würden in hohem Maße sofort konsumiert und damit die Binnennachfrage erhöhen, was wiederum die heimische Wirtschaft stützen würde.

Die durchschnittliche Lohnerhöhung für die davon profitierenden Menschen wäre beträchtlich: + 17 % berichteten die OÖ Nachrichten. 291.000 Menschen bzw. 9 % der unselbständig Beschäftigten würden profitieren.

Laut AK-Ökonom Markus Marterbauer wären 31.000 Menschen nicht weiter armutsgefährdet, der Anteil an working poor würde markant sinken. Warum ständig der Konjunktiv? Das WIFO hat für die Studie die Einführung des Mindestlohns mit 2017 zugrunde gelegt. Die Einführung soll jedoch nicht 2017, sondern etappenweise bis zum Jahr 2020 erfolgen. Und da wird die Inflation von den 1.500 schon kräftig was abgebissen haben – leider.

Deshalb sollte der Betrag von € 1.500 jedenfalls inflationsgemäß bis zum Zeitpunkt der Realisierung des Mindestlohnes erhöht werden, um auch im Jahr 2020 die gleichen Wirkungen zu erzielen. Und leider auch der späte Realisierungszeitpunkt. Denn die positiven Effekte könnten wir sofort gebrauchen.

veröffentlicht in den OÖNachrichten, 9. September 2017

Artikel: OÖ Nachrichten, 8.9.2017

Mindestlohn: 291.000 profitieren

WIEN. Wifo-Studie zeigt, dass Stundenlohn um 17,1 Prozent steigt.

Von der Einführung des Mindestlohns von 1500 Euro brutto im Monat profitieren 9,1 Prozent der Beschäftigten, geht aus einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes Wifo im Auftrag der Arbeiterkammer hervor. Die 291.000 Arbeitnehmer profitieren durch eine Steigerung des Stundenlohns um durchschnittlich 1,26 Euro oder 17,1 Prozent, so die Wirtschaftsforscher.

Die Sozialpartner hatten sich Ende Juni darauf geeinigt, in den verschiedenen Kollektivverträgen den Mindestlohn bis zum Jahr 2020 auf 1500 Euro brutto im Monat zu heben. Sanktionen bei Nicht-Erfüllung gibt es aber nicht. Die Arbeitszeitflexibilisierung, die vor allem die Wirtschaft fordert, wurde hingegen vertagt.

Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eines Mindestlohnes seien "gering". Die Beschäftigung verändere sich kaum. Besonders das unterste Einkommensdrittel werde jedoch mehr konsumieren.

Die Wirtschaftskammer relativiert. Der Mindestlohn bringe für die betroffenen Branchen "erhebliche Belastungen". Berücksichtige man die KV-Sonderzahlungen, liege der österreichische Mindestlohn um rund 14 Prozent über dem deutschen von 8,84 Euro pro Stunde.

"1500 Euro Mindestlohn sind daher eine große Vorleistung der Wirtschaft. Im Gegenzug erwarten wir eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten und endlich Bewegung in der Arbeitszeit."

In Deutschland habe die Einführung des Mindestlohns 2015 zu keinem Job-Rückgang geführt, sagt Markus Marterbauer, AK-Chefökonom. Im Gegenteil: Die deutsche Wirtschaft wachse, die Arbeitslosigkeit liege auf einem Rekordtief, "unter anderem wegen des höheren Konsums aus starken Lohnabschlüssen".

Quelle: http://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/Mindestlohn-291-000-profitieren;art15,2672522

veröffentlicht am 8. September 2017

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