26 Jun
2017

Mutmacher/innen

ehemalige Langzeitarbeitslose berichten

Bild Startseite: Andy Urban

18 Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance (mehr) zu haben schienen, erzählen über ihren Weg (zurück) in den Job.

„Je länger ich arbeitslos gewesen bin und je älter ich geworden bin, umso mehr habe ich an mir gezweifelt, ob das je klappen wird“, berichtet etwa Zeljko R., der eine fast 20-jährige „AMS-Karriere“ hinter sich hat.

Der behinderte 41-jährige ist einer der ehemaligen Langzeitbeschäftigungslosen, die im Buch „MutmacherInnen – Von Menschen, die sich zurück in die Arbeitswelt aufmachten und dabei nur gewinnen konnten“ von ihrem steinigen Weg zum (neuen) Arbeitsplatz erzählen. Und von der Freude, endlich wieder gebraucht zu werden und Wertschätzung zu erfahren.

„Wir wollten bewusst diejenigen vor den Vorhang holen, die in der Berichterstattung zum Thema oft untergehen, zu bloßen Zahlen und Statistiken verschwimmen“, erklärt Christoph Parak, Geschäftsführer von arbeit plus Wien, dem Dachverband der Sozialen Unternehmen Wiens, bei der Präsentation des Buchs im Rahmen der Konferenz „Wiener Arbeitsmarkt der Zukunft“. „Sie erzählen ihre Geschichten und machen für die Leserinnen und Leser die persönlichen Sorgen und Nöte von Menschen, die langzeitbeschäftigungslos waren, erlebbar.“ Die Geschichten vermitteln zusätzlich ein anschauliches Bild, wie die verschiedenen Angebote für am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen funktionieren. Die Mitglieder von arbeit plus Wien unterstützen im Auftrag des AMS Wien Langzeitbeschäftigungslose in Form von Beratung, Betreuung beziehungsweise konkreten, befristeten Arbeitsplätzen oder Qualifizierung und machen dadurch solche Erfolgsgeschichten möglich.

18 beispielhafte Erfolgsgeschichten

Die 18 Porträtierten, einfühlsam fotografiert von Andy Urban, könnten unterschiedlicher nicht sein: Da ist zum Beispiel die junge Frau mit Lernschwäche, die es allen zeigte, und jetzt Pflichtschulabschluss, Job und ambitionierte Ziele hat. Oder der über 50-jährige Computerprofi, der einen kompletten Umstieg wagte und schließlich Handwerker mit Leib und Seele wurde. Die Alleinerzieherin mit vier Kindern, die nach langer Karenz einen neuen Job brauchte, erzählt ihre Geschichte ebenso wie der sehbehinderte junge Mann, der unbedingt Fahrradmechaniker werden wollte. Und auch die aus Rumänien stammende quirlige Juristin 50+++ - wie sie es lachend selbst formuliert - hatte am Arbeitsmarkt eigentlich ganz schlechte Chancen.

Arbeit ist mehr als eine Einnahmequelle

Sie alle erhielten in den Wiener sozialintegrativen Unternehmen die notwendige Unterstützung, die sie fit für den Arbeitsmarkt machte. Dadurch erlebten sie ihre Arbeitslosigkeit nicht mehr als Einzelschicksal, sondern lernten Menschen kennen, „denen es auch so geht“, sie erhielten neue Motivation und die lange vermisste Wertschätzung. Denn eines haben alle Geschichten gemeinsam: Was die Betroffenen brauchen, ist Anerkennung, Wertschätzung und die Möglichkeit, wieder aktiv im Arbeitsprozess tätig zu sein.

„Es ist halt echt wichtig, einen Arbeitsplatz zu haben – man versauert nicht“, spricht der 54-jährige Handwerker, dessen langwierige Arbeitsuche schließlich zum Erfolg führte, deutlich aus, was alle, die in „MutmacherInnen“ zu Wort kommen, erlebten: Dass Arbeit mehr bedeutet als nur eine Einnahmequelle – Arbeit ist sinnstiftend, gibt Halt im Leben, bedeutet Teilhabe und wird, obwohl manchmal sicher anstrengend und mühselig, doch schmerzlich vermisst.


erhältlich: arbeit plus Wien, Taborstraße 24/18, 1020 Wien (gegen eine Schutzgebühr von EUR 9). Bestellung via E-Mail unter office@arbeitplus-wien.at )

Dieser Buchtipp ist im Rundbrief Juli/August 2017 erschienen (jetzt Rundbrief abonnieren)

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