10 Apr
2017

Rassismus? Mog i ned!

Neues Taschenbüchlein mit Argumenten gegen Hetze

„Rassismus? Mog i ned!“
Zur Internationalen Woche gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hat "Land der Menschen - Aufeinander Zugehen OÖ" ein neues Taschenbüchlein mit dem Titel "Da mach' ich nicht mit!" herausgegeben. Die Broschüre enthält Argumente gegen Hetze.

Die Anzeigen und Delikte im Zusammenhang mit Rassismus nehmen in den letzten Jahren in Österreich und auch in Oberösterreich deutlich zu. Rassismus hat die Spaltung der Gesellschaft zum Ziel, Mitmenschen werden allein aufgrund z. B. ihrer Herkunft oder Religion pauschal angefeindet und abgewertet, sei es in Gesprächen am Stammtisch oder in den Sozialen Medien, aber genauso strukturell bei Job- und Wohnungssuche.

Landesrat Anschober: "Es ist ganz normal, dass Menschen auf Neuerungen mit Verunsicherung reagieren, etwa auch, wenn durch Kriege und Terrorismus Menschen aus anderen Kulturkreisen bei uns Schutz suchen. Aus vielen Gesprächen und Besuchen in Gemeinden weiß ich: Da, wo die neuen und die alten EinwohnerInnen aufeinander zugehen, werden Vorbehalte ganz schnell abgebaut, ein gutes Miteinander entsteht. Gerade in Oberösterreich hat sich hier vorangetrieben durch die Zivilgesellschaft vielfach eine positive Stimmung entwickelt (siehe SORA-Umfrage). Doch abseits dieser Begegnungen finden wir auch Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Vorurteile. Rassismus hat genau ein Ziel, nämlich die Spaltung der
Gesellschaft, gemeinsam schaffen wir es aber, dem keine Chance zu geben! Statt Spaltung werben wir für ein gutes Miteinander.“


Rassismus

= Menschen werden ausgeschlossen, weil sie anders sind, aussehen oder leben
= einer gesamten Gruppe werden (negative) Eigenschaften zugeschrieben („die Flüchtlinge“)
= Einteilung zwischen »Wir« und den »Anderen«
= es wird die Überlegenheit der eigenen Gruppe gegenüber der anderen Gruppe behauptet
= Abwertung, Ungleichbehandlung und Benachteiligung einer Gruppe

Beispiele:

  • abwertende Äußerungen gegenüber Personen aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Kultur und/oder Religion
  • Menschen aus anderen Ländern bekommen schwieriger eine Wohnung
  • eine Frau mit Kopftuch bekommt keine Arbeit
  • offene Anfeindung von bestimmten Gruppen und Hetze gegen diese.


Für die von Diskriminierung/Rassismus Betroffenen bedeutet das die alltägliche Verletzung ihrer Würde.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist Rassismus in Österreich strafbar, etwa wenn jemand zu Gewalt oder Hass gegen Personen aufgrund bestimmter Merkmale (bspw. Religion, Hautfarbe, Weltanschauung, ethnische Herkunft, Geschlecht) aufruft, oder einen Menschen aufgrund dieser Merkmale beschimpft; diese Aussage mindestens 30 Menschen erreicht (Social Media!) und der Vorsatz der Beleidigung erkennbar ist.

Kampagne „Rassismus? Mog i ned!“

Die Kampagne Rassismus? Mog i ned! wurde 2012 von migrare, Land der Menschen und ÖGJ OÖ ins Leben gerufen. Mittlerweile wird die Initiative zusätzlich von Arcobaleno, Diakoniewerk Gallneukirchen, Friedensstadt Linz, Jugendrotkreuz OÖ, SOSMenschenrechte und Volkshilfe OÖ getragen. Workshopreihen, Ideenwettbewerb, Erstellung von Materialien, Facebook-Kampagne u.a.m. waren Initiativen der letzten Jahre. Vor allem die kostenlos bestellbaren Materialien werden kontinuierlich nachgefragt.

Taschenbüchlein gegen Hetze: „Da mach‘ ich nicht mit!“
Dr. Bert Brandstetter, Obmann von Land der Menschen – Aufeinander Zugehen OÖ: „Die 15 Vorurteile, die im Taschenbuch „Da mach´ich nicht mit!“ angeführt werden, sind nichts Neues. Wer immer sich an einen Stammtisch setzt, wird damit konfrontiert. Und oft fällt es schwer, eine brauchbare Antwort zu finden, mit der das Gegenüber etwas anfangen kann. Genau deswegen wurde dieses Heft erstellt und genau deswegen ist es vielleicht nützlich. Weil es Argumente bietet, die Vorurteile gegenüber Ausländern entkräften können. Kurz und bündig, so wie es auf der anderen Seite ja auch die Vorurteile meist sind. Tief sitzende Vorurteile gegen Fremde gibt es in allen Altersgruppen.“

Über Sprache und Parolen, die häufig verwendet und über (Soziale) Medien oftmals verstärkt werden, nehmen Vorurteile und Ressentiments gegenüber Menschen anderer Herkunft ihren Lauf, eine funktionierende Gesellschaft wird erschwert. Mit dem Büchlein „Da mach‘ ich nicht mit“ werden aktuelle Parolen aufgegriffen, hinterfragt, mit Informationen hinterlegt und Gegenstrategien der Kommunikation aufgezeigt. Die Trägerorganisationen von „Land der Menschen“ sowie der Kampagne „Rassismus? Mog i ned!“, mit ZusammenHelfen in OÖ und dem Integrationsressort von Landesrat Rudi Anschober leisten so gemeinsam einen Beitrag zu einem guten, rassismusfreien Zusammenleben in OÖ!
Inhaltliche Inputs stammen auch von AMS, UNHCR, IOM, Integrationsstelle OÖ, der Initiative ZusammenHelfen in OÖ und ZIMT. Das Taschenbüchlein beinhaltet Tipps, um locker auf fremdenfeindliche, rassistische, abwertende und auch aggressive Sprüche reagieren und klarer kommunizieren zu können. Bereits 2009 erschien die erste Auflage des Vorgängers unter dem Titel „Da mach´ ich nicht mit! Argumente gegen „rechte“ Sprüche, von dem es bereits vier Auflagen gibt. Seither wurde das kostenlose Taschenbuch von Servicestellen, Schulen, Jugendeinrichtungen und Privatpersonen aus ganz Österreich rund 60.000 mal angefordert. In Wien wurde das Heft in Kooperation mit WienXtra aufgelegt und an tausende Jugendliche verteilt. Aufgrund der großen Nachfrage, liegt nun die Fortsetzung in OÖ bereit: 7.000 Exemplare des Taschenbüchleins sind via Land der Menschen erhältlich bzw. online unter www.landdermenschen.at abrufbar. Die Broschüren werden nun u.a. an Schulen, Jugendeinrichtungen, Servicestellen herangetragen. Folgende 15 Sprüche und Themenbereiche wurden aufgrund der aktuellen Debatten in Österreich in das Büchlein aufgenommen:

„Das kleine Österreich kann nicht die ganze Welt aufnehmen.“

„Die kommen alle zu uns!“

„Wir sind im Krieg auch nicht davongelaufen.“

„Wir haben unser Land aufgebaut!“

„Die meisten Asylanten* sind Wirtschaftsflüchtlinge.“

„Da könnte ja jeder kommen!“

„Die Flüchtlinge sind kriminell.“

„Sofort abschieben!“

„Mit den Flüchtlingen kommt der Terror ins Land.“

„Der Islamische Staat* unterwandert uns!“

„Unsere Frauen trauen sich nicht mehr auf die Straße.“

„Überall ausländische Sexualtäter!“

„Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“

„Österreicher zuerst!“

„Die nützen unser Sozialsystem aus.“

“Ich habe nichts gegen Ausländer, aber ...“

„Die wollen sich gar nicht integrieren!“

„Da entsteht eine Parallelgesellschaft!“

„Der Islam passt nicht zu unserer Kultur.“

„Islamisierung des Abendlands!“

„Die Frauen werden gezwungen Kopftuch zu tragen.“

„Burkaverbot!“

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“

„Deshalb ist man doch nicht gleich ein Nazi!“

„Am Nationalsozialismus war nicht alles schlecht.“

„Da muss wieder einer durchgreifen!“

„Lügenpresse!“

„Die Medien sagen uns nicht die Wahrheit.“

„Wir haben im eigenen Land nichts mehr zu reden.“

„Wir sind das Volk!“

Neben den 15 konkreten Infos zu aktuell häufigen Parolen sind im Büchlein auch Beiträge über Rechtspopulismus und
Rechtsextremismus, über Hate Speech im Internet, Strafrahmen bei Hetze und ein Glossar mit schwierigen Begriffen enthalten.

Kurzvideos zum Taschenbüchlein über Social Media
Fünf Videoclips sind dazu verfügbar, sie werden laufend veröffentlicht auf:
https://www.facebook.com/LandderMenschen/
https://www.facebook.com/rudianschober/
Ab Herbst werden die fünf Kurvideos mit einer begleitenden pädagogischen Handreiche auch für den Einsatz in Schulen zur
Verfügung stehen.

Vorankündigung:

Einreichmöglichkeit von Kurvideos von Jugendlichen

Zum Motto „Da mach´ ich nicht mit! – Argumente für ein gutes Zusammenleben“ haben Jugendliche von 12 – 19 Jahren die
Möglichkeit, ihr eigenen Gedanken filmisch zu verarbeiten und bis zum 16. Februar 2018 beim Smart up your Life/Land der Menschen einzureichen.
Die Gemeinschaftsinitiative von Land der Menschen OÖ und Welthaus Linz startet im September 2017 anlässlich des Langen
Tags der Flucht mit einem Wanderkino. Anschließend werden Workshops für Schulen angeboten, die von fachlichen ExpertInnen und MedienpädagogInnen begleitet werden und bei der Gestaltung der Kurzfilme unterstützen.
Bei der abschließenden Filmgala am Internationalen Tag gegen Rassismus, den 21. März 2018, werden die besten Beiträge gewürdigt und einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

 

Was tun gegen Rassismus?

  • diskriminierende Vorfälle erkennen, benennen und melden, z.B. beim Bundesamt für Verfassungsschutz
    (www.bmi.gv.at/cms/bmi_verfassungsschutz/) oder bei ZARA (www.zara.at)
  • Rassistische Aussagen polizeilich zur Anzeige bringen
  • neonazistische, rassistische oder antisemitische Inhalte bei einer Meldestelle melden, z.B. ns-meldestelle@bvt.gv.at oder www.mkoe.at/rechtsextremismus-melden, Hotline Extremismus unter 0800 2020 44
  • Betroffene über ihre Möglichkeiten informieren, z.B. über Hotline des BMEIA (050 11 50 4242) gegen Diskriminierung und Intoleranz aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, Herkunft oder Religion, Diskriminierungsstelle des Landes OÖ, Gleichbehandlungsanwaltschaft
  • eigene Vorurteile überdenken
  • Vorurteile gegenüber anderen in Gesprächen diskutieren
    Die Integrationsstelle OÖ unterstützt zahlreiche Projekte, deren Ziel unter anderem die Deradikalisierung und Antirassismus ist: In Oberösterreich sind hierzu u.a. Workshops für Kinder und Jugendliche von ISK (Institut für Soziale Kompetenz), Land der Menschen/Rotes Kreuz, SOS-Menschenrechte oder Jugend im Dialog (Volkshilfe) abrufbar.

Hintergründe

Land der Menschen – Aufeinander Zugehen in OÖ

Land der Menschen ist ein Zusammenschluss von zwölf Organisationen, die sich seit 2000 für ein gutes Zusammenleben in
OÖ einsetzen: Caritas OÖ, Diakoniewerk OÖ, Grüne Bildungswerkstatt, Hilfswerk OÖ, Katholische Aktion OÖ,
Kinderfreunde OÖ, migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ, ÖGB OÖ, Pädagogische Hochschule des Bundes in OÖ, Rotes Kreuz OÖ, SOS-Menschenrechte und Volkshilfe OÖ.

21. März – Internationaler Tag gegen Rassismus

Der 21. März gilt als „Welttag gegen Rassismus“. Er soll nicht nur an die friedliche Demonstration (gegen das Apartheitsregime) von Sharpeville in Süd-Afrika von 1960 erinnern, sondern auch die Sensibilität gegenüber Alltagsrassismus schärfen. Damals wurden bei einer friedlichen Demonstration (gegen das Apartheitsregime) 69 Menschen durch die Polizei getötet und Dutzende verletzt. Im Jahr 1966 wurde als Reaktion auf das Massaker der „Internationale Tag
zur Überwindung von Rassendiskriminierung“ von den Vereinten Nationen eingeführt.

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