08 Feb
2017

Rundbrief Februar

Die neue Ausgabe ist online

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Zwei der absolut relevanten Zukunftsthemen sind Bildung und Arbeit. Beides ist verzahnt zu betrachten: Je höher der Bildungsabschluss, umso geringer ist das Risiko, arbeitslos zu werden. Jene mit Pflichtschulabschluss sind vier Mal häufiger arbeitslos als jene mit einer abgeschlossenen Lehre. Das ist bereits lange bekannt, die Problematik verschärft sich jedoch laufend: neue Technologien und praktisch grenzenlose Kommunikation werden die Arbeitsplätze in Zukunft stark verändern, viele Hilfsberufe und -tätigkeiten werden wegfallen. An ihrer Stelle werden neue Arbeitsplätze mit höheren Qualifikationsanforderungen entstehen. An die verbleibenden Hilfskräfte werden höhere Anforderungen gestellt: gute Deutschkenntnisse, Teamarbeit, schnelles Einarbeiten, Problemlösungsfähigkeit. Der Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung dieser Herausforderungen ist Bildung. Hier ist vieles auf einem guten Weg.

Die bisher bestehende Ausbildungsgarantie bis 18 wird zu einer Ausbildungspflicht, eine Ausbildungsgarantie wird es für die 19 – 25jährigen geben. Ziel: Keine Hilfsarbeiten mehr für Jugendliche und alle bis 25 haben die Garantie, jedenfalls eine Berufsausbildung machen zu können.

Im Herbst 2016 hat die Bundesregierung eine große Bildungsreform beschlossen. Kern dieses Projektes ist der Ausbau von Ganztagesschulen, zusätzliche Ressourcen für Brennpunktschulen und die langfristige Abschaffung der Sonderschulen. Die SchülerInnen mit größerem Unterstützungsbedarf sollen im Rahmen von inklusiver Pädagogik in Volksschulen und Neuen Mittelschulen unterrichtet werden. Die Ausbildung der PädagogInnen wird durch ein Hochschulstudium erfolgen, das ist besonders wichtig. Wir brauchen die besten Leute möglichst früh im Bildungsbereich, um die Vererbung des sozialen Status abzuschaffen und Chancengerechtigkeit für alle Kinder herzustellen. Zu bemängeln ist daher, dass die Ausbildung der KindergartenpädagogInnen nicht auf Hochschulniveau gehoben werden soll.

Die beschriebenen Projekte werden den Kindern und Jugendlichen künftig auch am Arbeitsmarkt helfen. Was ist mit jenen, die bereits arbeitslos sind? Das AMS OÖ will im Jahr 2017 die Qualifizierungs-und Beratungsangebote sowie die betriebliche Eingliederungsbeihilfen ausbauen, die Angebote in Beschäftigungsprojekten aber reduzieren. Letzteres ist eindeutig abzulehnen: erforderlich wäre auch hier ein Ausbau. Was das AMS OÖ deutlich erhöht hat, sind die Sperren des Arbeitslosengeldes wegen Arbeitsunwilligkeit. Diese Sperren sind binnen Jahresfrist um ein Drittel gestiegen. Laut einer WIFO-Studie, die im Auftrag des AMS durchgeführt wurde, gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass ein intensiverer Einsatz von Sanktionen ein wirksames Mittel wäre, um die Reintegration in Beschäftigung zu erhöhen. Das AMS OÖ will aber ohnehin stärker auf Motivation setzen. Das ist der richtige Ansatz.


Josef Pürmayr, Geschäftsführer Sozialplattform OÖ

 

Inhaltsverzeichnis

  • 4 Was ist neu 2017? Auszug aus Sozialratgeber 2017
  • 8 AMS OÖ - mehr Fördermittel, weniger Gestaltungsspielraum: AMS OÖ
  • 10 Handwerkszeug für kulturelle Unterschiede Interview mit David See, Verein Saum
  • 11 FinanzFAIRteilung: Gender Budgeting, Silja Kempinger, #ohneunsvielspass
  • 12 Mindestsicherung als Prüfstein für gesellschaftliche Solidarität, Norbert Krammer
  • 14 Obdachlosenratgeber 2017, ARGE für Obdachlose
  • 15 Tandempartnerinnen gesucht, migrare
  • 16 Health4You by VFQ - Gesundheitsprojekt endet, VFQ
  • 17 Themenverfehlung, FAIRdl und FAIRena
  • 18 Auf individuelle Gegebenheiten abgestimmt, miteinander GmbH
  • 19 Hunger auf Kunst und Kultur
  • 20 kurz und aktuell
  • 22 Publikationen
  • 24 Veranstaltungen

Zurück