19 Aug
2019

SOZIALHILFE -
VIELE ENTTÄUSCHUNGEN, TEIL 2

Die "Falle" beim Behindertenbonus

von Norbert Krammer, VertretungsNetz

Foto: pixabay

Wenn die Hürde des Behindertenpasses gemeistert werden konnte, ist der Zuschuss trotzdem nicht sicher. Denn für den Fall, dass eine Persönliche Assistenz beansprucht oder ein betreutes Wohnen benötigt wird, sollen diese „Sachleistungen“ – im Entwurf des OÖ Sozialhilfe-Ausführungsgesetz – voll auf den „Behindertenbonus“ angerechnet werden. De facto ist der Zuschuss damit weg! Diese Anrechnung betrifft alle sogenannten Hauptleistungen – auch fähigkeitsorientierte Beschäftigung und Arbeit – und damit viele der Sozialhilfebezieher*innen, die eigentlich auf Grund der Beeinträchtigung Anspruch auf den „Behindertenbonus“ hätten.


Diese „Falle“ droht nun auch Michaela Mohr*, 36 Jahre alt, die gemeinsam mit ihrer Mutter in deren Mietwohnung in sehr beengten Verhältnissen lebt. Daher strebt sie eine Veränderung an. Aktuell bezieht Michaela Mohr Pflegegeld sowie die erhöhte Familienbeihilfe. Für die Integrative Beschäftigung, der sie nachgeht, wird kein Lohn - sondern wie leider weiterhin Standard - ein monatliches Taschengeld ausbezahlt. Um ihren Lebensbedarf abzudecken, erhält Michaela Mohr bisher auch Mindestsicherung. Im System der neuen OÖ Sozialhilfe würde Michaela Mohr um 5 % weniger Grundleistung erhalten, da die Richtsätze zukünftig geringer sein werden. Die Voraussetzung für den „Behindertenbonus“, dessen Höhe monatlich knapp unter € 160 liegt, ist durch den Bezug der erhöhten Familienbeihilfe gegeben. In der angestrebten neuen, betreuten Wohnung würde diese Unterstützung bei der Haushaltsführung als Sachleistung angerechnet. Damit würde Frau Mohr den Zuschuss gar nicht mehr erhalten, mit dem sie eigentlich auf Grund der Ankündigung der Bundespolitiker*innen gerechnet hat. Damit muss der Übersiedlungsplan gleich wieder zur Seite gelegt werden.

*Name geändert

Zurück