26 Apr
2021

Teilhabe am Erwerbs-
leben ermöglichen

Massive Anstrengungen gegen Langzeitarbeitslosigkeit gefragt

Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist zweifelsfrei eines der aktuell drängenden arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitischen Probleme. Schon vor COVID war Tatsache, dass viele Betriebe dringend Arbeitskräfte suchen, dass aber gleichzeitig für viele Arbeitslose der Zugang zu Erwerbsarbeit nicht gelingt. Die aktuelle Entwicklung in Oberösterreich gibt Anlass zu großer Sorge: während im März 2021 die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen gegenüber März 2020 insgesamt um fast ein Drittel gesunken ist, ist die Gruppe der Langzeitbeschäftigungslosen um die Hälfte größer geworden.

Die Erfahrungen aus der Finanzkrise 2008 zeigen, dass die Langzeitbeschäftigungslosigkeit infolge der durch die Finanzkrise verursachten Rezession kräftig gestiegen ist und seither dauerhaft über dem Niveau von 2008 verblieben ist. Ein ähnliches Szenario ist auch für die Zeit nach der COVID-Krise zu erwarten.

JOB-RESTART-Programm

Als Reaktion auf die Entwicklung der Langzeitbeschäftigungslosigkeit haben das Land Oberösterreich und das AMS Oberösterreich das JOB-RESTART-Programm für Langzeitbeschäftigungslose beschlossen.
Kernelemente dieses Programmes sind eine spezielle Beschäftigungsförderung für Betriebe und Kommunen, begleitende Qualifizierungsangebote sowie ein Eingliederungsservice, das Betriebe/Kommunen und Beschäftigungslose zusammenbringen soll. Das Programm ist im Rundbrief beschrieben.

Eine solche Initiative begrüße ich ausdrücklich, denn Qualifizierung ist nicht alles, ein begleitendes Beschäftigungsprogramm ist unbedingt erforderlich. Das AMS OÖ fördert mittels Eingliederungsbeihilfe ca. 72 % der Lohnkosten für ein Jahr. Das wird für gewinnorientierte Betriebe ein attraktives Modell sein, zumal es auch keine Einschränkungen hinsichtlich des Alters und keine Behaltepflichten nach Ende der Förderung geben wird. Damit das Modell auch für Kommunen attraktiv wird, unterstützt das Land OÖ hier zusätzlich, sodass der Förderanteil insgesamt bei ca. 86 % liegen wird.

Gemeinnützige nicht mitgedacht

Aufmerksame Leser*innen werden bemerkt haben, dass die gemeinnützigen Organisationen nicht vorkommen. Ich habe zweimal nachgeschaut, bis ich mir sicher war: gemeinnützige Organisationen können zwar die 72 % Lohnkostenförderung wie die Profitunternehmen erhalten, aber keine zusätzliche Unterstützung wie beispielsweise die Kommunen. Den Programmverantwortlichen wird klar sein, dass die Gemeinnützigen aufgrund ihrer Rahmenbedingungen (Gemeinwohlorientierung ohne Gewinnerzielungsabsicht, knappe Budgetausstattung) am betrieblichen Beschäftigungsprogramm so kaum teilnehmen können. Gemeinnützige brauchen mindestens die gleichen Konditionen wie die Kommunen, damit sie hier zusätzliche Beschäftigung schaffen können.

Wenn das den Programmverantwortlichen klar ist, gibt es zwei Möglichkeiten: man hat die Gemeinnützigen entweder schlicht vergessen oder man will sie bewusst nicht dabei haben. Wenn auf sie vergessen wurde, sollte das mit gutem Willen rasch reparierbar sein. Die entsprechende Verordnung ist bei Redaktionsschluss noch nicht beschlossen, ich habe das Land OÖ auf diesen Umstand schon hingewiesen. Wenn die gemeinnützigen Organisationen bewusst ausgeschlossen werden sollen, halte ich das für skandalös und ansonsten für hochgradig unvernünftig. Für die Erreichung der Programmziele ist es angesichts der Größenordnung der Gruppe von Langzeitbeschäftigungslosen in Oberösterreich (13.504 Personen zum 31.03.2021) wichtig, alle Bereiche mit Beschäftigungspotenzial im JOB-RESTART-Beschäftigungsprogramm so mit einzubeziehen, dass sie auch realistisch mitmachen können. Die Gemeinnützigen haben (siehe Aktion 20.000) gezeigt, dass sie zusätzliche Beschäftigung in beträchtlichem Ausmaß organisieren können, wenn die Rahmenbedingungen das zulassen.

Begleitende Beratung

Im Evaluierungsbericht zur Aktion 20.000 wurde festgehalten, dass wesentliche Gründe für Beschäftigungsabbrüche fehlende Einschulung und fehlende Begleitung am Arbeitsplatz waren. Eine begleitende Beratung ist daher erfolgsentscheidend für das JOB-RESTART-Programm. Für den kommunalen Beschäftigungsbereich des Programmes wird es eine begleitende Beratung geben, für den betrieblichen Beschäftigungsstrang ist dies allerdings nicht vorgesehen. Auch für diesen erachten wir ein Beratungsangebot für Betriebe und Beschäftigte für vorteilhaft. Im Feld der arbeitsmarktpolitischen Träger in Oberösterreich gibt es diesbezüglich langjährige Expertise, die für diese Zwecke nutzbar gemacht werden kann.

Josef Pürmayr, GF Sozialplattform OÖ
Dieser Artikel ist im Rundbrief 3/2021 erschienen.

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