20 Aug
2018

Wohnen für alle
in Oberösterreich

Positionspapier OÖ Wohnungslosenhilfe

Wohnraum ist teuer geworden. Viele Menschen können ihn sich kaum mehr leisten. Was braucht es, um gutes Wohnen für alle zu ermöglichen? ein Beitrag von Stefan Hindinger

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAWO) hat bei der heurigen Fachtagung ihr Positionspapier „Wohnen für alle. Leistbar. Dauerhaft. Inklusiv“ präsentiert. Zentrale Forderungen sind eine mieterinnenfreundliche Gestaltung des Mietrechtsgesetzes, der Ausbau des gemeinnützigen Wohnbaus und Maßnahmen für existenzsichernde Einkommen.

Mehr Miet- statt Eigentumswohnungen

Die OÖ Wohnungslosenhilfe hat dieses mit konkreten Forderungen für Oberösterreich ergänzt. „Mehr Miet- statt Eigentumswohnungen“ ist ein Anliegen an die Wohnbauförderung. Denn von den 4.200 Wohneinheiten, die 2017 gebaut wurden, sind nur 1.500 Mietwohnungen. Laut ExpertInnen sollten jährlich mindestens 6.000 Wohnungen mit einem Anteil von 60 Prozent Mietwohnungen neu gebaut werden.

Rücknahme der Einschränkungen bei Wohnbeihilfe

Weiters fordert die OÖ Wohnungslosenhilfe eine Rücknahme der Einschränkungen bei der Wohnbeihilfe und dem Zugang zu gefördertem Wohnbau. Die Wohneinstiegskosten sollten beschränkt, der Zugang für Drittstaatenangehörige erleichtert und Transparenz über den Leerstand hergestellt werden.


Wichtig ist der OÖ Wohnungslosenhilfe auch ein gutes Wohnumfeld, das Wohnqualität und –stabilität hebt. Dazu braucht es u.a. den Ausbau sozialer Dienstleistungen, Förderung gemeinschaftlichen Wohnens und attraktive öffentliche Räume.

Informieren statt delogieren

Die OÖ Wohnungslosenhilfe berät und betreut wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. 2017 nutzten 12.000 Personen das Angebot (Delogierungsprävention, Notschlafstellen, Tageszentren, Übergangswohnen, Wohnheime, mobil betreutes Wohnen). Vorrangiges Ziel ist es, mit präventiver Arbeit (informieren statt delogieren) Wohnungsverlust zu vermeiden und die „ basic skills“ zum Erhalt einer Wohnung zu festigen. Gleichzeitig versuchen wir im öffentlichen Diskurs auf entstehende Problemlagen hinzuweisen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten.

Kaum kommunaler Wohnbau

Bei Wohnungsverlust stehen Angebote zur vorübergehenden Wohnversorgung im Bereich der Wohnungslosenhilfe zur Verfügung. Aber auch hier gilt, diesen Menschen nur solange wie nötig eine Wohnversorgung durch unsere Einrichtungen anzubieten und raschen Zugang zu leistbarem Wohnraum zu ermöglichen.
Dazu gibt es eine seit Jahrzehnten bestehende gute Kooperation und Vernetzung mit der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Dabei wird versucht, gemeinsam und an Strukturen und Rahmenbedingungen zu arbeiten, um diesen Zugang zu ermöglichen.
Ein Blick auf die aktuelle Ausgestaltung der wohnpolitischen Instrumente zeigt, dass eine adäquate Wohnversorgung dieser Zielgruppe nur unzureichend gewährleistet ist. In Oberösterreich gibt es kaum kommunalen Wohnbau.

Auch geförderte Mietwohnungen sind im Verhältnis zu anderen Wohnformen – Eigentumswohnungen, Eigenheime, PrivatvermieterInnen – unterrepräsentiert.

Steigende Wohnkosten

Zu diesem seit Jahrzehnten bestehenden schwierigen Wohnungsmarkt kommen negative Entwicklungen in den letzten Jahren hinzu:

Besonders Menschen mit niedrigem Einkommen leiden massiv unter den in den letzten Jahren stark gestiegenen Wohnkosten. Die Steigerungen lagen immer über der Inflationsrate, die Einkommen der Betroffenen jedoch darunter!

Erschwerend sind die in den letzten Jahren in Oberösterreich von der Landtagsmehrheit eingeführten Einschränkungen beim Zugang zu geförderten Mietwohnungen, beim Bezug der Wohnbeihilfe und der Mindestsicherung. Das führt dazu, dass die Betroffenen auf den privaten Wohnungsmarkt gedrängt werden.
Weiters ist unsere Zielgruppe mit steigenden Wohneinstiegskosten (Kautionen, Baukostenzuschüsse) konfrontiert. Für Menschen ohne Ansparmöglichkeiten und oft schlechter Bonität eine unüberbrückbare Hürde.
Hohe Fluktuation, prekäre Wohnformen und Massenquartiere sind die Folge dieser Segregation des Wohnungsmarktes. Nicht zu unterschätzen sind die damit verbundenen Auswirkungen auf das Zusammenleben.

Weitere Infos

Positionspapier der BAWO
Positionspapier OÖ Wohnungslosenhilfe

Mag. Stefan Hindinger ist Leiter der Wohnungslosenhilfe Mosaik Vöcklabruck-Gmunden und Vorstandsmitglied der BAWO.

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