16 Nov
2021

zuhause
ankommen

Wohnraum für armuts- und ausgrenzungs-gefährdete Menschen

zuhause ankommen“ ist ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAWO). Es zielt darauf ab, leistbaren, nachhaltigen und inklusiven Wohnraum an armuts- und ausgrenzungs-gefährdete Menschen zu vermitteln und sie beim Ankommen zu unterstützen. „zuhause ankommen“ wird von der BAWO koordiniert. Die Projektleitung, operative Umsetzung und Kooperation mit gemeinnützigen Bauträgern in den Bundesländern obliegt den Projektpartner*innen im jeweiligen Bundesland.

„zuhause ankommen“ richtet sich an Menschen, die durch die Covid-19-Pandemie in finanzielle/existenzielle Schwierigkeiten geraten sind und deshalb ihre Wohnung verloren haben oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. „zuhause ankommen“ wird zur Gänze vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (gemäß Sonderrichtlinie „COVID-19 Armutsbekämpfung“) finanziert. Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt € 2.650.000,-. Es sollen ca. 240 Wohnungen vermittelt werden. Dabei sollen nachhaltige Kooperationen zwischen gemeinnützigen Bauträgern, die dauerhaft Wohnraum zur Verfügung stellen, und Sozialorganisationen, die ehemals obdach- bzw. wohnungslose Menschen in ihren Wohnungen betreuen, aufgebaut werden. Das Projekt startete im Juni 2021 und endet im April 2022.

Das Projekt „zuhause ankommen“ arbeitet nach den Prinzipien des Housing First.

Was ist Housing First?

Housing First ist ein innovativer Weg, um die Wohnungslosigkeit von Menschen nachhaltig zu reduzieren. Von Dr. Sam Tsemberis in den frühen 1990ern in den USA entwickelt, wird Housing First mittlerweile in vielen europäischen Ländern erfolgreich umgesetzt.
Bei Housing First steht die Wohnung gleich zu Beginn zur Verfügung und nicht erst am Ende eines Unterstützungsprozesses. Der Ansatz basiert auf den Grundprinzipien der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Dabei ist die flexible – auf die Bedürfnisse der Personen abgestimmte – Hilfe zur Selbsthilfe das zentrale Erfolgskriterium des Ansatzes und darf keinesfalls als “Housing only“ missverstanden werden.
Der Zugang zum eigenen Wohnraum ist für viele Menschen durch finanzielle Hürden erschwert. Stationäre Angebote der Wohnungslosenhilfe können von manchen Personen, z.B. wegen eines Haustiers, nicht in Anspruch genommen werden. Durch die Zusammenarbeit von Wohnbaugesellschaften und Sozialorganisationen erhalten von Wohnungslosigkeit bedrohte oder betroffene Personen einen leichteren Zugang zur eigenen, leistbaren Wohnung und Unterstützung durch eine nachgehende mobile Beratung und Betreuung.

Wie funktioniert Housing First?

Zu Beginn wenden sich Personen mit Unterstützungsbedarf an die Sozialorganisation. Diese bzw. die „Koordinationsstelle Housing First“ übernimmt den Matching-Prozess zwischen Wohnungssuchenden und passender Wohnung. Die Wohnbauträger stellen eine Wohnung mit günstiger Miete und den definierten Bedürfnissen zur Verfügung. Die Betroffenen erhalten Unterstützung bei der Übersiedlung, beziehen ihr neues Zuhause und zahlen eigenständig die Miete. Die aufsuchende Beratung und Betreuung erfolgt durch die Sozialorganisation. Bei Problemen, z.B. Mietrückständen, wird von den Wohnbauträgern, neben den Mieter*innen selbst, frühzeitig die Sozialorganisation informiert, welche bei der Behebung der Probleme unterstützen.

Erklärungsbild zuhause ankommen2

Vorteile für die Betroffenen

Der Housing First Ansatz ermöglicht es den Betroffenen, sofort ein dauerhaftes Zuhause zu haben, zur Ruhe zu kommen und als Teil einer Gemeinschaft zu leben und Wurzeln zu schlagen. Eine eigene Wohnung gibt Sicherheit, führt zu einer Verbesserung des psychischen Wohlbefindens und der Gesundheit, fördert den Aufbau sozialer Beziehungen und unterstützt dadurch die langfristige Integration in die Gesellschaft.

Vorteile für die Wohnbauträger

Die Sozialorganisation steht dem Wohnbauträger als Ansprechperson zur Verfügung. Die langfristige Unterstützung sorgt für Stabilität und verringert das Risiko von Mietausfällen. Sie vermittelt bei möglichen Konflikten in der Nachbarschaft und leistet einen Beitrag für ein gelingendes Miteinander und ein lebenswertes Gemeinwesen.

zuhause ankommen - in Oberösterreich

Bild Stefan Hindinger

Stefan Hindinger (Bild rechts), Wohnungslosenhilfe Mosaik, erläutert im Interview die Umsetzung in Oberösterreich

Wie funktioniert die Umsetzung in Oberösterreich?

Stefan Hindinger: Sozialverein B 37, Verein Wohnplattform und Wohnungslosenhilfe Mosaik setzen das Projekt in OÖ um. Die Koordination liegt beim „Mosaik“. Es gibt Kooperationen mit gemeinnützigen Bauvereinigungen, die die Wohnungen zur Verfügung stellen.

Wer hat Zugang?

Stefan Hindinger: Wohnungslose Klientinnen und Klienten der drei Einrichtungen, deren Situation sich durch die Corona-Pandemie verschlechtert hat. Die Perspektive des selbständigen Wohnungserhalts und die Bereitschaft mobile Betreuung (befristet) anzunehmen, muss gegeben sein.

Wie viele Wohnungen stehen in Oberösterreich zur Verfügung?

Stefan Hindinger: 45 Wohnungen sind bis zum Projektende das Ziel (25 in Vöcklabruck, 20 in Linz bzw. Wels)

Warum ist das Projekt so wichtig?

Stefan Hindinger: Phasen der Wohnungslosigkeit und der stationären Betreuung können mit dem Projekt sehr kurz gehalten werden. „Zuhause ankommen“ ermöglicht es den Betroffenen sofort ein dauerhaftes Zuhause zu haben, zur Ruhe zu kommen und als Teil einer Gemeinschaft zu leben und Wurzeln zu schlagen. Eine eigene Wohnung gibt Sicherheit, führt zu einer Verbesserung des psychischen Wohlbefindens und der Gesundheit, fördert den Aufbau sozialer Beziehungen und unterstützt dadurch die langfristige Integration in die Gesellschaft. Der Wohnbauträger hat den Vorteil, dass eine Sozialeinrichtung als Ansprechperson zur Verfügung steht. Die Unterstützung sorgt für Stabilität und verringert das Risiko von Mietausfällen. Sie vermittelt bei möglichen Konflikten in der Nachbarschaft und leistet einen Beitrag für ein gelingendes Miteinander und ein lebenswertes Gemeinwesen.

Dieser Artikel ist im Rundbrief November/Dezember 2021 erschienen.

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